Die Konkavität hat zu noch unwahrscheinlicheren Theorien geführt, meist zur Unterstützung einer weiter reichenden Hypothese. David Davidson (zitiert von Peter Tompkins in Secrets of the Great Pyramid, S. 108-114) verteidigte den in Ungnade gefallenen Piazzi Smyth, indem er versuchte aufzuzeigen, dass Messungen, welche die Vertiefung berücksichtigen, drei Basiswerte liefern, welche die drei Jahreslängen beschreiben: das Sonnenjahr, das siderische Jahr und die anomalistische Periode. (Diese Linien wären auf dem unten angezeigten Diagramm AB, AEFB und AMB.) Was Davidson voraussetzt ist, dass die Konkavität, die heute in der Kernstruktur der Pyramide gegenwärtig ist, sich bis zur fertig verkleideten Oberfläche fortsetzt. Es gibt aber keinen Beweis dafür; tatsächlich ist die noch erhaltene Verkleidung vollkommen glatt.

Margioglio and Rinaldi fanden heraus, dass der Granitmantel der Mykerinospyramide zwar glatt ist, aber unter diesem Granit bildeten die Füllsteinblöcke eine Vertiefung in jeder Seitenmitte. Diesen Erkenntnissen zufolge ist die Konkavität ein funktionelles Merkmal der Kernstruktur, das den Blicken entzogen wurde, als die Verkleidungssteine angebracht wurden.

Drei mögliche Basislinien der Großen Pyramide (nicht maßstabsgetreu)

John Williams, Autor von Williams' Hydraulic Theory to Cheops' Pyramid, schrieb, dass "der einzige Vorteil, den ich sehen kann - und das ist ein großer Vorteil -, dass ein Bauwerk eine konkave Fläche hat, ist, den extrem hohen Innendruck im Zaum zu halten - die Art von Druck, die sich aus dem hydraulischen Verfahren meiner Beschreibung ergibt. Dies kann man sich wie bei Eierschalen, Brücken oder Giebelbögen vorstellen."

Diese Erklärung wird auch von anderen Vertretern der "Pumpentheorie" geäußert, wie Edward J. Kunkel (Autor von The Pharaoh's Pump, 1962) und Richard Noone (Autor von 5/5/2000: Ice: The Ultimate Disaster, 1982). Leider scheiterten sie beim Verständnis, wie Brücken oder tragende Giebel funktionieren. Ein tragender Bogen wurde entwickelt, um den nach unten gerichteten Druck, oder das Gewicht, eines Bauwerks auf eine nach außen gerichtete Kraft umzuleiten, die diese wiederum auf eine Stütze, einen Pfeiler oder eine Anlagefläche überträgt. Ein Bogen leitet den Druck nur um; sie lässt sie nicht verschwinden. Wären die Seitenflächen der Großen Pyramide wie ebensolche Bögen angeordnet, würden diese Bögen dazu dienen, diesen Druck in Luft aufzulösen. Das macht keinen Sinn. Der Eierschalenvergleich ist noch weniger geeignet, weil die Pyramide keine Eierform hat. Genau wie ein Bogen ist ein Ei nur deshalb stabil, weil es den Belastungdruck umleitet; in diesem Fall in vertikale und horizontale Kräfte, die aufgrund seiner Form gleichmäßiger über die Eistruktur verteilt werden.

Kunkel verglich jede Pyramidenseite mit einem Damm. Er behauptete, dass sich jede Seite gegen den Innendruck der Pyramide stemmt, so wie sich ein Damm (z.B. der Hoover-Damm) gegen den Druck des Wassers stemmt, den er zurückhält. Eine Bogenstaumauer verwendet die gleichen Bauprinzipien wie ein Bogen (siehe oben). Der Damm biegt sich in Richtung des hydrostatischen Drucks des Wassers hinter ihm, welcher wiederum horizontal an die Stützmauern an den Seitenwänden verteilt wird. Noch einmal: der Pyramide fehlen solche Stützmauern.

In Ancient Egyptian Construction and Architecture, schrieben Clarke und Englebach:

"Die meisten Pyramiden haben ihre eigenen Besonderheiten, die schwer zu erklären sind. Zum Beispiel verläuft in der Mitte der Seitenflächen der Großen Pyramide, und möglicherweise bei einigen anderen auch, eine große Vertiefung, was auf eine extradicke Verkleidungslinie hindeutet. Obwohl es keine besondere Schwierigkeit ist, die Blöcke einer Steinlage so anzuordnen, dass sie zur Mitte hin größer werden, gibt es keine weitere befriedigendere Erklärung als die der bereits diskutierten "Gürtel-Blöcke" (in dem aufsteigenden Gang der Großen Pyramide) [S. 128]"

Der Zweck der Konkavität der Großen Pyramide bleibt weiterhin ein Geheimnis und es gibt keine einzige befriedigende Erklärung für diese Besonderheit. Die Vertiefung ist so gering, dass eine praktische Funktion schwer vorstellbar ist.

Quelle: http://www.catchpenny.org/concave.html; Catchpenny Mysteries © copyright 2000 by Larry Orcutt. (Übersetzung: Sven Schmidt)